[Russland] St. Petersburg: Arbeitstreffen der geistlichen Leiter von ELKRAS und ELKIR
Erstaunen über Plan des estnischen Erzbischofs zur Bischofsweihe von Pastor Lytkin in Novosibirsk im Mai 2006 – Gedankenaustausch zur Segnung von gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften in der Schwedischen KircheAm 17. Jänner fand das erste Arbeitstreffen zwischen den geistlichen Leitern der Evangelisch-lutherischen Kirche in Russland, der Ukraine, Kasachstan und Mittelasien (ELKRAS), Erzbischof Dr. Edmund Ratz, und der Evangelisch-lutherischen Kirche des Ingermanlandes in Russland (ELKIR), Bischof Arre Kugappi, statt. An der Sitzung nahmen ebenfalls der Leiter des Zentralen Kirchenamtes der ELKRAS, Hans Schwahn, der theologische Referent des Erzbischofs, Pastor Dietrich von Sternbeck, sowie der Generalsekretär der ELKIR, Pastor Alexander Prilutzki, teil.
Auf der Tagesordnung standen wichtige Fragen, die die Interessen beider Kirchen betreffen. Zu den beiden Hauptpunkten des Gespräches gehörte die für den Himmelfahrtstag, den 25. Mai 2006, geplante Konsekration von Pastor Vsevolod Lytkin zum lutherischen Bischof in Novosibirsk durch den Erzbischof von Tallinn, Andres Poder, sowie – als Assistenten – den Erzbischof von Riga, Janis Vanags, und den litauischen Bischof Mindaugas Sabutis. Der zweite Punkt beschäftigte sich mit der Haltung der ELKRAS und ELKIR zur Einführung des liturgischen Aktes der Segnung von gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften in der Evangelisch-lutherischen Kirche von Schweden.
„Lutherische Identität“
Erzbischof Ratz und Bischof Kugappi drückten gegenseitig ihr Erstaunen über den Plan des estnischen Erzbischofs aus. Nach dem plötzlichen Tod des emeritierten estnischen Erzbischofs, Dr. Jaan Kiivit, am 31. August 2005 in St. Petersburg hatten sich ELKRAS, ELKIR, die von Pastor Lytkin gesammelte Gruppe lutherischer Gemeinden in Sibirien sowie die Estnische Evangelisch-lutherische Kirche (EELK) darauf geeinigt, einen gemeinsamen theologischen Dialog zu führen und erst an dessen Ende zu entscheiden, in welcher Form die von Pastor Lytkin gesammelte Gruppe in die Familie der lutherischen Gemeinden Russlands einbezogen werden könnte. Nachdem sich die Beteiligten am Rande der Generalsynode der ELKRAS im April 2005 erstmals getroffen hatten, fand bereits am 24. Oktober 2005 das erste Gespräch zum Thema „Lutherische Identität“ auf Einladung der ELKRAS in St. Petersburg statt. Die Estnische Kirche war hier durch den Assessor des Konsistoriums, Propst Tiit Salumä, vertreten. Die neue Position der EELK könnte jetzt, so die Befürchtung von Ratz und Kugappi, die gut begonnenen Gespräche beenden. Damit würde die nicht gemeinsam abgestimmte Konsekration von Pastor Lytkin zum Bischof ihn nicht integrieren, sondern isolieren. Damit seien negative Erscheinungen im kirchlichen Leben der lutherischen Gemeinden in Sibirien vorprogrammiert. Kirchenrechtlich sei dieser Schritt ebenfalls bedenklich, da Lytkin als Bischof lediglich eine als „Sibirische Mission“ beim Justizministerium registrierte Struktur leiten würde, die offiziell drei Gemeinden umfasst. ELKRAS und ELKIR wollen in den nächsten Tagen nochmals ihre Bedenken gegenüber den baltischen Bischöfen wie auch gegenüber dem Lutherischen Weltbund (LWB) äußern. Dabei ist vor allem auf die gemeinsame Absprache zwischen den drei baltischen Kirchen und der ELKRAS sowie der ELKIR vor dem Generalsekretär des LWB, Dr. Ishmael Noko, aus dem Jahre 2001 hinzuweisen, nach der im Kirchengebiet der ELKRAS und der ELKIR Ordinationen und Konsekrationen durch Pastoren der baltischen Kirchen nur nach Absprache zulässig sind. Die nicht abgesprochenen Amtseinführungen von Josef Baronas durch den emeritierten Erzbischof von Riga, Erik Meesters, 1991 in St. Petersburg und von Leonid Zwicky in Witebsk 2001 und das unglückliche Ende dieser beiden lutherischen Bewegungen sollten Zeugnis und Warnung seien.
Zur Frage der Einführung eines liturgischen Aktes der Segnung von gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften verwies Bischof Kugappi auf die Position der ELKIR, die in der Synodendeklaration zur christlichen Familie aus dem Jahr 2003 festgelegt worden sei. Erzbischof Ratz verwies auf die Position der ELKRAS hierzu, die sein Amtsvorgänger Erzbischof D. Georg Kretschmar in einem Aufsatz „Mann und Frau im Angesicht Gottes“ im Journal der ELKRAS „Der Bote“ 2/2002 formuliert hatte. Die Positionen der ELKRAS und der ELKIR zu diesem Thema stünden im Einklang mit dem Wortlaut der Heiligen Schrift und seien daher deckungsgleich. Darüber seien auch die ökumenischen Partner informiert worden.
In dem mehrstündigen Gespräch wurden weiterhin Einzelfragen zu verschiedenen Problemen besprochen und gemeinsame Termine vereinbart.
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