Die österreichische Lutherische Kirche (auch A.B. für Augsburger Bekenntnis) kommt unmittelbar aus der Reformation des 16. Jahrhunderts: Sehr bald nachdem Martin Luther und andere evangelisches Gedankengut in Predigten, Thesen, Andachtsbüchern und Schriften veröffentlicht hatten, sind diese ldeen auch in die Gebiete des heutigen Österreich gekommen.
Ende des 16. Jahrhunderts waren zwei Drittel der Bevölkerung Österreichs evangelisch. Schon am 12. Jänner 1522 predigte im Wiener Stephansdom Paul Speratus evangelische Grundsätze. Mit Beginn des 17. Jahrhunderts wird das Evangelische Glaubensleben in Österreich verboten. Das aufblühende evangelische Kirchenwesen wurde von den Habsburgern durch Verfolgung und Vertreibung fast zur Gänze vernichtet.
Toleranzpatent und Toleranzgemeinden
Nach rund 150 Jahren "Geheimprotestantismus" haben sich 1781 die ersten Gemeinden aufgrund des Toleranzpatents Kaiser Josefs II. gebildet. Das Toleranzpatent wird als "Befreiungsurkunde" empfunden: Rasch entstehen evangelische Gemeinden und Schulen, noch heute gibt es diese so genannten Toleranzgemeinden, wie Rutzenmoos in Oberösterreich etwa. Wo 100 evangelische Familien lebten, konnte ein Bethaus errichtet werden. Dieses durfte aber von außen nicht als Kirche erkennbar sein und keinen öffentlichen Zugang von der Straße haben. PfarrerInnen und LehrerInnen konnten berufen werden. Und was für den einzelnen Evangelischen wichtig war: Er konnte Meister werden, Bürgerrechte erhalten und studieren.Zwischen 70.000 und 80.000 Menschen meldeten sich aufgrund des Toleranzpatents im Gebiet des heutigen Österreich und bekannten, evangelisch zu sein. Die ehemaligen Geheimprotestanten wurden das Fundament der neuen Evangelischen Kirche in Österreich.
Kaiser Franz Joseph I. gewährt 1861 mit dem Protestantenpatent den evangelischen Österreicherinnen und Österreichern volle bürgerliche Gleichberechtigung. Noch immer aber steht die Evangelische Kirche in Österreich unter staatlicher Oberaufsicht. Das soll sich erst 1961 durch das Protestantengesetz ändern.
Zuwächse im 19. und 20. Jahrhundert
Im Lauf des 19. Jahrhunderts erhält die Evangelische Kirche Zuzug durch Kaufleute, Unternehmer, Wissenschaftler und Künstler vor allem aus Deutschland. Etwa ein Viertel der heutigen Gemeinden ist durch Übertritte im Rahmen der "Los-von-Rom-Bewegung" um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert entstanden.Im Burgenland ist der prozentuelle Anteil der evangelischen Bevölkerung größer als in jedem anderen Bundesland, was daran liegt, dass es erst 1921 aus den deutschsprachigen Randgebieten Westungarns hervorgegangen ist.
Der katholisch-faschistisch orientierte Ständestaat in Österreich (1934 bis 1938) führte vor allem Sozialisten und Sozialdemokraten als "politische Protestanten" in die Evangelischen Kirchen. Den letzten großen Zuzug bildeten Flüchtlinge und Vertriebene, die nach 1945 in Österreich geblieben sind. Die heutige staatskirchenrechtliche Grundlage der Kirchen ist das "Protestantengesetz 1961", mit dem die Evangelische Kirche der Römisch-katholischen Kirche gleichgestellt worden ist.

Die regionale Verteilung der Evangelischen in Österreich ist unterschiedlich. Dies ist historisch begründet. (Legende: weiß: bis 2% Evangelische; hellblau: bis 5%; mittelblau: bis 10%; dunkelblau: über 10%)
