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Estnische Evangelisch-lutherische Kirche (EELK)


Lutherische Kathedrale der Heiligen Jungfrau Maria in Tallinn: Die älteste Kirche auf estnischem Festland hat seit 1240 als Kathedrale, die der Jungfrau Maria geweiht ist, gedient. Mittelalterliche Grabsteine und Monumente aus der Renaissance bis ins 19. Jahrhundert. Reiche und wichtige Sammlung barocker Wappen (Christian Ackermann). Beeindruckendes barockes Altarretabel und barocke Kanzel mit Apostelfiguren (beide von Christian Ackermann). Die Jahreszahl 1779 auf der Wetterfahne verweist auf das Jahr, in dem die barocke Kirchturmspitze errichtet wurde.

Der erste estnische Kirchentag fand am 31. Mai 1917 in der Aula des Treffner-Gymnasiums statt. Er wurde durch den ältesten Pfarrer, Villem Eisenschmidt, eröffnet. Der Pfarrer der St. Peters-Gemeinde in Tartu eröffnete den Kongress vor über 300 Vertretern der Gemeinden. Der grauhaarige Mann hatte folgende Worte Jesu ausgesucht, auf denen seine Rede basieren sollte: „Wenn ihr bleiben werdet an meinem Wort, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen“(Johannes 8,31-32). Die christlichen Sehnsüchte nach Freiheit, dieser Tag und Kongress können als die Geburtsstunde der Estnischen Evangelisch-lutherischen Kirche als eine freie Volkskirche in Estland, das bald unabhängig sein würde, angesehen werden.

Die VertreterInnen der Gemeinden wurden in Tartu durch ihren gemeinsamen Wunsch, ihr Zuhause zu behalten und sich von einer Fremdmacht zu befreien, zusammengeführt. In Zeiten großer Veränderung und inmitten des Zerfalls Russlands äußerten die Esten ihren brennenden Wunsch und ihre Entschlossenheit, ihre eigenen Häuser zu bauen und ihr Gemeindeleben zu organisieren und zu entwickeln, wie sie es selbst für richtig hielten.

Obwohl es Jahre dauerte, eine essentiell andere Form der Selbstverwaltung und der Volkskirche auszuarbeiten und aufzubauen, wurde es mit der festen Absicht getan, das Leben der Gesellschaft und der Menschen zu verbessern. Ziel war es, Menschen durch die Verkündigung des Evangeliums, das Verwalten des Sakraments und durch Liebe zu dienen. Kirche als eine Verbindung von Glaube und Liebe sah ihre Aufgabe in christlicher Erziehung, um eine neue Generation aufzuziehen, die fest in Glauben und Moral sein würde und Verantwortung gegenüber Gott und ihren Mitmenschen fühlt. Ohne religiöses und moralisches Rückgrat kann keine Idee überleben und sich entwickeln.
„Volkskirche“ bedeutet, dass sie die Mehrheit der Bevölkerung repräsentiert, und dass die Grundlage ihrer Organisationen die Gemeinden und ihre Mitglieder bilden, die gewählte Vertreter zu den Synoden der Gemeinden und der Kirche schicken. Es bedeutet ebenfalls, nach außen hin offen und intern verbunden und einer Meinung in Bezug auf Glauben, Haltungen und die verschiedenen Arten von Gläubigkeit zu sein. Sich selbst als Volkskirche zu sehen heißt, seine Herkunft anzuerkennen und zu würdigen und die Missionsaufgabe unter den Voraussetzungen und unter den Menschen, wo Gott uns erwählt hat als eine Kirche, Gemeinde und als Christen zu leben und arbeiten, zu erfüllen. Diese Aufgabe benötigt eine zielbewusste und verantwortliche Kooperation zwischen allen Mitgliedern der Gemeinden, der Räte und Gremien. Dafür hat Gott jeden von uns gerufen.

Um das tägliche Leben und die Aktivitäten der Estnischen Evangelisch-lutherischen Kirche zu verstehen, ist es wahrscheinlich wichtig, einige Fakten über ihre ferne und nahe Vergangenheit zu kennen.

Obwohl die ersten Kontakte der Esten mit dem Christentum über 1000 Jahre alt sind, begann die organisierte kirchliche Aktivität erst im 13. Jahrhundert, als es drei Diözesen mit ihren Kathedralen und Kathedralkapiteln auf estnischem Gebiet gab (Tallinn 1229, Tartu 1224, Haapsalu 1263). Vor Ende des 15. Jahrhunderts hatte Estland 94 Pfarrbezirke mit einem Netzwerk von Kirchen und Kapellen und 15 Klöster.

Die lutherische Reformation etablierte sich 1524 in Estland und brachte Predigten auf estnisch mit sich mit. Als Ergebnis der Bewegung und Arbeit der Herrnhuter Brüdergemeinde war es möglich, im 19. Jahrhundert einzugestehen, dass die förmliche Niederlassung der Kirche eine beachtliche Kraftquelle und ihr geistlicher Weg die Basis christlichen Lebens wurde.

Die Kirche in Estland, die bis jetzt gemäß den Gesetzen der schwedischen und russischen Kirche gewirkt hatte, wurde die Freie Volkskirche nach dem „Ersten Kirchentag“ 1917 (31. Mai und 1. Juni). Zum ersten Mal wurden die 127 lutherischen Gemeinden mit ihren ca. 920.000 Mitgliedern vereinigt.

Der Zweite Weltkrieg und die darauf folgenden 45 Jahre sowjetischer Besatzung mit ihrer atheistischen Propaganda und ihrer feindseligen Einstellung Kirche gegenüber zerstörten die Autorität der Kirche, entfremdete sie von der Mehrheit der Bevölkerung und versagten der Nation die Möglichkeit, christliche Werte zu lernen.

EELK im Ausland

Im Herbst 1944 wurden ca. 70.000 – 80.000 Esten aufgrund der herannahenden Roten Armee gezwungen, ihr Zuhause hinter sich zu lassen und aus dem Land zu fliehen.

Die Anzahl der lutherischen Flüchtlinge soll ungefähr 60.000 gewesen sein. Unter ihnen waren Erzbischof Johan Kõpp in Schweden und Hilfsbischof Johannes Oskar Lauri in Deutschland, zusammen mit 72 Pfarrern, ein paar Migliedern des Oberkirchenrats und 12 Theologiestudenten mit und ohne Diplomabschluss.

Da sie schwierige und verwirrende Zeiten voraussah, verabschiedete die Generalsynode der EELK 1943 eine Resolution, in der „der Erzbischof der EELK im Falle, dass die Generalsynode oder der Oberkirchenrat der EELK keine Versammlung abhalten kann, autorisiert wird, Entscheidungen an Stelle der Generalsynode oder des Oberkichenrats der EELK zu treffen, die die gleiche Autorität besitzen, als ob sie von der Generalsynode oder dem Oberkirchenrat der EELK getroffen worden wären”. Basierend auf dieser Autorisierung gründete Erzbischof Johan Kõpp das Komitee der Estnischen Evangelisch-lutherischen Kirche in Stockholm. Dies war der Anfang der geordneten Arbeitsweise der EELK im Ausland – Gemeinden in Stockholm, dem Mittelpunkt des Kirchenlebens, zu registrieren. Indem sie dieselbe Autorisierung benutzten, nahm die EELK 1947 unter der Leitung von Bischof Kõpp am Gründungskongress des Lutherischen Weltbundes in Lund teil, wo die EELK in die Liste der Gründungsmitglieder eingetragen wurde. Dasselbe geschah in Amsterdam im nächsten Jahr, wo der Ökumenische Rat der Kirchen gegründet wurde.

Am 30. Juni 1947 schickte Bischof Kõpp ein Rundschreiben an alle Pfarrer der registrierten Gemeinden, in dem es hieß: „Es sollte die generelle Einstellung der Exilkirche sein, dass die Estnische Evangelisch-lutherische Kirche essentiell ein und dieselbe Kirche ist und – obwohl sie momentan in verschiedene Teile gespalten ist – dieselbe Unterrichtsbasis hat und der Satzung der EELK so streng wie möglich in jeder gegebenen Situation folgt. Gemeinden, religiöse Gruppen oder Vereinigungen sollten alle zusammenkommen und Bezirke bilden, um ihren Landsleuten in ihrem religiösen Bedürfnis zu dienen.”

Zusätzlich zu dem oben genannten Rundschreiben wurden die generellen Arbeitsprinzipien der Exil-EELK niedergeschrieben und unter den Gemeinden verteilt. Diese Prinzipien betonen, dass die Exil-EELK eine unabhängige, autonome Kirche ist, die aus demokratischen Gründen wirkt, Gemeinden zusammenruft, Pfarrer ordiniert, Gottesdienste hält und religiöse Feiern gemäß der Gottesdienstordnung, der Satzung und der etablierten Ordnung ausrichtet. Eines der Hauptziele ist es, das Evangelium auf estnisch zu verkünden und die Kirche unserer Ahnen für die Zukunft aufrechtzuerhalten, in der wir sie an die nächsten Generationen weiterreichen können – fest und vereinigt sowohl außen wie auch innen und nicht in viele verschiedene Teile gespalten.

Am 30. Januar 1957 entschied Bischof Kõpp, indem er sich wieder auf die Autorisierung, die ihm 1943 gegeben wurde, berief, den Begriff „Bischof“ durch den Begriff „Erzbischof” und „Hilfsbischof“ durch „Bischof“ zu ersetzen. 1953 begannen die Gemeinden der EELK sich in Dekanaten zu vereinigen. Gemäß dem Dekret des Oberkircherates wurde das erste Dekanat in England gegründet, dann in Schweden und später, im Jahr 1953, auch in den USA. Das Dekanat Chicago in den USA wurde 1954 gegründet. Während der 70er Jahre wurden Dekanate in Kanada, Deutschland und Australien gebildet. 1976 wurde der kanadische Dekan Karl Raudsepp zum Erzbischof der EELK mit einer besonderen Mission in Nordamerika ordiniert.

Das Dekret verordnete ebenfalls, dass die Generalsynode durch schriftliche Wahlen Resolutionen verabschiedet, wobei jede Gemeinde eine Stimme hat. Der Oberkirchenrat der EELK oder die Kirchenleitung hat sich offiziell niedergelassen – immer in der Residenz des Erzbischofs. Erzbischof Johan Kõpp wurde nur wenige Monate vor seinem 90. Geburtstag emeritiert, und am 26. Mai 1964 wurde Bischof Johannes Oskar Lauri zum neuen Erzbischof gewählt. Der Oberkirchenrat blieb in Stockholm, ebenso wie eine Anzahl von Assessoren aus Schweden und den USA. Sie nahmen die schwierige Aufgabe auf sich, den Kodex der Kirchengesetze zu erstellen, der alle Regeln und Normen die Kirchenarbeit betreffend, die zwischen 1933 und 1980 bewilligt wurden, beinhaltete. Das Ergebnis war „Das Handbuch der Kirchengesetze“, das die Arbeitsordnung der estnischen Volkskirche im Exil vorstellt. Diese Publikation wurde in vielen Ländern und Weltorganisationen, in denen die EELK als gesetzlich wirkende Kirche angesehen wird, gut angenommen und gewürdigt.

Erzbischof Johannes Lauri ging vor seinem 80. Geburtstag in den Ruhestand, und am 6. Dezember 1971 berief die Generalsynode der EELK Konrad Veem, Pfarrer der Gemeinde in Stockholm und Hilfsdekan im schwedischen Dekanat, zum neuen Erzbischof. Er wurde am 18. Juni 1972 in der St. Jakobs-Kirche in Stockholm ordiniert.

Riesige Entfernungen, wobei das Gebiet einer Gemeinde beinahe so groß wie Estland selbst war, haben die Arbeit der Estnischen Evangelisch-lutherischen Kirche und ihrer Gemeinden behindert. Aber die Arbeit wurde durch unsere feste Überzeugung, dass wir Esten, die zur estnischen Kirche gehören, sein wollen und sind, erleichtert. Als zwischen 1948 und 1951 viele Esten aus Schweden, England und Deutschland hauptsächlich in die Städte und Dörfer Nordamerikas zogen, bestanden die ansässigen Gemeinden und Kirchen darauf, dass wir uns ihren lutherischen Gemeinden anschließen sollten. Die Esten lehnten dies ab und begannen sofort, Gemeinden mit ihrer Muttersprache zu gründen. Nachdem die ansässigen Gemeinden erkannten, dass die Esten sehr entschlossen in ihrem Bestreben waren, halfen sie nach einer Weile, den Kauf oder Bau neuer Kirchen zu finanzieren. Estnische Gemeinden gehörten zu estnischen Kirchen, aber sie gehörten auf indirekte Art ebenfalls zu den Kirchen ihrer Aufenthaltslandes. Dies gab unserer Kirche einen rechtlichen Status in diesen Ländern. Trotzdem behielt die EELK ihre Satzung, die in Wirklichkeit nicht viel von denen anderer lutherischer Länder abwich.

Es ist unmöglich, alle Publikationen, die über die Jahre hinweg erzeugt wurden, aufzuzählen. Anfangs war es essentiell notwendige Literatur: für Kinder, Jugendliche, KonfirmandInnen, religiöse Textbücher, der Katechismus Martin Luthers, Gebetsbücher für die Jungen etc. Zusätzlich wurden Predigt- und Exegesesammlungen herausgegeben. Die Zeitung des Oberkirchenrats, „Estnische Kirche“, ist bis heute ohne Unterbrechung erschienen.

16 Personen haben eine theologische Ausbildung in Universitäten und Seminaren der Länder, in denen sie wohnhaft sind, erhalten. Vier bis fünf von ihnen begannen in ansässigen Gemeinden zu dienen, aber die Mehrheit arbeitete in Gemeinden der EELK. Die EELK hat ein Institut der Theologie errichtet, das ursprünglich in Stockholm tätig war und ab 1978 in Toronto. Dr. Arthur Võõbus, Bischof Karl Raudsepp, Tõnis Nõmmik (AM) und Dr. Andres Taul waren Leiter des Instituts. In den letzten Jahren sind einige Vortragende aus Estland gekommen. 21 PfarrerInnen sind im Institut ordiniert worden. Die Gesamtanzahl neuer PfarrerInnen in der estnischen Exilkirche ist 37.

Erzbischof Konrad Veem ging 1990 in den Ruhestand. Am 1. September 1990 wählte der Oberkirchenrat der EELK Udo Petersoo, den Dekan von Kanada und Pfarrer der St. Andrew’s Gemeinde in Toronto, zu seinem Nachfolger.

Die EELK im Ausland hat heute 15.700 Mitglieder, die in 63 Gemeinden aufgeteilt sind und denen 34 Pfarrer dienen.

Oberkirchenrat der EELK im Ausland
383 Jarvis Street, Toronto
Ont. M5B 2C7
CANADA
Telefon (001) 416 925 5465
Fax (001) 416 925 5688
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