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Evangelisch-Lutherische Kirche in Ungarn

Nach den Wittenberger Ereignissen von 1517 machten ungarische Studenten, die dort studierten, innerhalb weniger Jahre das lutherische Gedankengut in Ungarn heimisch. Dazu erhielten sie die Unterstützung von Gutsherren, die als Patrone die Gedanken der Reformation förderten. Als die ersten transdanubischen Reformatoren (Mátyás Dévai, Gál Huszár, Mihály Sztárai) auftraten, erschienen zu gleicher Zeit im südlichen Grenzgebiet die Türken. Das ist der Grund dafür, warum erst 1577 mit Máté Szegedi der erste evangelisch-lutherische Bischof gewählt werden konnte.

Nach vielen Wechselfällen (Trauerjahrzehnt, Gegenreformation) konnten sich dennoch die ersten evangelisch-lutherischen Gemeinden bilden, die ab 1781 als schon anerkannte Kirche in Ungarn wirken konnten.

Heutige Situation

Das Foto zeigt eine Bischofsweihe.Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Ungarn mit ihren etwa 300, größtenteils in einer Diasporasituation lebenden Gemeinden ist Mitgliedskirche des Lutherischen Weltbundes. Die Zahl der zu ihr gehörenden Lutheraner macht heute lediglich drei Prozent der Bevölkerung aus. Das bedeutet ungefähr 300.000 getaufte Evangelisch-Lutherische. Gegenüber dieser vergleichsweise geringen Seelenzahl stellt sie dennoch auf dem Gebiet des Bildungswesens einen gewichtigen Wert dar. In 37 Bildungseinrichtungen (Kindergärten, Schulen) bereiten sich etwa 7.000 Kinder und Jugendliche mit Unterstützung von annähernd 1.000 Pädagogen auf die Anforderungen des Lebens vor. Und mehr als 100 junge Menschen gehen ihren Studien auf den Fachgebieten der Pfarrer- und der Religionslehrerausbildung an der Evangelisch-Lutherischen Theologischen Universität in Budapest nach.

Drei Bischöfe lenken die in den Gemeinden geschehende Arbeit. Der Amtssitz der drei Diözesen (in Buda, in Győr und in Pest) dient jedem Lutheraner auch als geistliche Anlaufstelle. Die in Budapest beheimatete Verwaltungszentrale der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Ungarn ist ein Ort der Dienstleistung, der die Arbeit der Kirchengemeinden und kirchlichen Einrichtungen unterstützt. Neben den Diensten der Bildungs-, Wirtschafts-, Bau-, Rechts- und Jugendabteilung kann von hier aus jeder die Hilfe der Krankenhaus- und Gefängnisseelsorge und anderer missionarischer Arbeitszweige beziehungsweise der Universitätsgemeinde in Anspruch nehmen.

In den kirchlichen Alteneinrichtungen erhalten viele hundert alte Menschen in geschwisterlicher Gemeinschaft ein Zuhause. Die Betreuung behinderter Kinder, Obdachlosenasyl, Rehabilitationszentrum für Alkoholkranke, Sozialwerkstatt und häuslicher Pflegedienst sind Arbeitsfelder, die Zeugnis ablegen von der sozialen Verantwortung der Evangelisch-Lutherischen.

In den Erholungsheimen (Balatonszárszó, Gyenesdiás, Sopron und andere) wird erschöpften Menschen körperlich-seelische Auffrischung angeboten. Und seelisch-geistige Erfüllung können Menschen, die nach dem tiefen Sinn des Lebens fragen, in den Konferenzzentren, zum Beispiel in Révfülöp und Piliscsaba, erhalten.


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